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Kerzen verkaufen: Gewerbe, Etikett und die richtigen Kanäle

Mesa de producción de una pequeña marca de velas con materiales, envases y embalaje

Wer Kerzen verkaufen will, braucht vor den Kunden vier Dinge: eine Rezeptur mit bestandenen Brenntests, ein angemeldetes Gewerbe, eine Haftpflichtversicherung und ein Etikett nach CLP und GPSR. Erst dann geht es um den Kanal: Markt, eigener Onlineshop, Wiederverkäufer, Events oder Gastronomie, jeder mit eigener Marge und eigenem Tempo.

In 30 Sekunden

  • Eine verkaufte Kerze ist ein Verbraucherprodukt: Es gilt die EU-Produktsicherheitsverordnung (GPSR) und wegen des Duftöls die CLP-Verordnung.
  • Starte mit einem kleinen Sortiment (3–5 Düfte, 1–2 Größen): Jede Kombination braucht eigene Tests und ein eigenes Etikett.
  • Gewerbeanmeldung und Versicherung kommen vor dem regelmäßigen Verkauf. Lass deinen Fall steuerlich prüfen.
  • Markt und Onlineshop bringen mehr pro Kerze; Läden, Events und Gastronomie bringen Menge.
Passende Materialien

Für diese Anleitung eignen sich Kerzenwachse, die zum geplanten Einsatz passen. Prüfe die vollständige Rezeptur zunächst in einem kleinen Test, bevor du größere Mengen herstellst.

Darf man selbstgemachte Kerzen verkaufen?

Ja, aber mit dem ersten Verkauf bist du nicht mehr Hobbybastler, sondern Hersteller. Seit dem 13. Dezember 2024 gilt die Verordnung (EU) 2023/988 über die allgemeine Produktsicherheit (GPSR): Wer ein Produkt in Verkehr bringt, muss für seine Sicherheit sorgen, es kennzeichnen und seine Kontaktdaten angeben. Duftöle enthalten zudem eingestufte Stoffe, deshalb wird eine Duftkerze nach der CLP-Verordnung gekennzeichnet. Details dazu in unserem Leitfaden zur Gesetzgebung beim Verkauf von Kerzen und Duftwachs (auf Spanisch).

Wichtige Abgrenzung: Eine Deko- oder Duftkerze ist kein Kosmetikum. Eine Massagekerze, die auf die Haut kommt, ist eines und fällt unter das Kosmetikrecht, und das ist eine ganz andere Liga.

Der Weg: von der Küche zum ersten Kunden in 6 Schritten

Weg mit sechs Stationen: feste Rezeptur, Brenntests, Kernsortiment, Gewerbe und Versicherung, Etikett und Unterlagen, Preis und Kanal; am Ziel eine Kerze mit Fahne
Jeder Schritt baut auf dem vorigen auf: ohne feste Rezeptur kein verlässliches Etikett, ohne Etikett kein Verkaufskanal.

1. Rezeptur festlegen

Immer dasselbe Wachs, derselbe Docht, dasselbe Gefäß, derselbe Duft im selben Prozentsatz. Für Containerkerzen verträgt Sojawachs BPF laut Datenblatt 8–10 % Duftöl. Kerzendochte wählst du nach dem Gefäßdurchmesser; unser Leitfaden zur Dochtwahl erklärt die Methode. Neuer Duft oder neuer Glaslieferant heißt: neue Rezeptur, neuer Test.

2. Brenntests machen

Das trennt eine hübsche Kerze von einer verkaufsfähigen. Für jede Kombination aus Gefäß, Docht und Duft:

  • Lass die Kerze vor dem Test vollständig abkühlen und fest werden.
  • Erster Abbrand: Der Brennteller soll den Rand erreichen. Gängige Faustregel: eine Stunde pro 2,5 cm Durchmesser.
  • Brenne in Zyklen von 3–4 Stunden mit vollständigem Abkühlen dazwischen, bis zum Ende der Kerze.
  • Notiere Flammenhöhe, Rauch und Ruß, Pilzbildung am Docht, Tiefe des Brenntellers und Glastemperatur.
  • Am Ende darf die Flamme weder den Boden erreichen noch das Glas überhitzen.

Als technische Messlatte gibt es europäische Kerzennormen: EN 15493 (Brandsicherheit), EN 15494 (Sicherheitshinweise) und EN 15426 (Rußverhalten). Ein Kleinhersteller muss sich nicht danach zertifizieren lassen, aber an ihnen wird gemessen, ob eine Kerze sicher ist.

3. Kernsortiment aufbauen

Drei bis fünf Düfte, eine oder zwei Größen. So kaufst du günstiger ein, weil sich die Menge auf wenige Materialien konzentriert, testest weniger, druckst weniger Etiketten, und die Kundschaft entscheidet schneller. Erweitern kannst du, wenn du weißt, was läuft.

4. Gewerbe anmelden und versichern

In groben Zügen und ohne Rechtsberatung: Wer in Deutschland regelmäßig Kerzen verkauft, meldet ein Gewerbe beim Gewerbeamt an und füllt danach den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung für das Finanzamt aus (über ELSTER). Ob du die Kleinunternehmerregelung nutzt, entscheidest du dabei. Wer verpackte Ware an Endkunden verschickt, muss sich im Verpackungsregister LUCID registrieren und sich an einem dualen System beteiligen. Für Märkte brauchst du die Zulassung des Veranstalters bzw. der Gemeinde. Lass deinen Fall von einer Steuerberatung prüfen, bevor du startest.

Eine Betriebs- bzw. Produkthaftpflichtversicherung deckt Schäden, die eine Kerze verursachen kann (ein springendes Glas, ein Brand). Viele Märkte, Messen und Läden verlangen sie, bevor sie dich aufnehmen.

5. Etikett und Unterlagen

  • GPSR: Name oder Marke, Post- und E-Mail-Adresse des Herstellers, eine Produktkennung (Artikelnummer oder Charge) und Sicherheitshinweise in der Sprache des Verkaufslandes. Im Onlineshop müssen dieselben Angaben auf der Produktseite stehen.
  • CLP: Je nach Duftöl und Dosierung braucht das Etikett Piktogramme, ein Signalwort, Gefahrenhinweise oder den Allergen-Hinweis. Das ergibt sich aus dem Sicherheitsdatenblatt (SDB) des Duftöls.
  • Unterlagen vom Lieferanten: Zu unseren Duftölen für Kerzen liefern wir SDB, IFRA-Zertifikat und Allergenerklärung, die Grundlage für dein Etikett.
Die Produktseite nicht vergessen

Sicherheitshinweise und Herstellerangaben auf dem Glas reichen nicht: Nach der GPSR muss auch die Produktseite im Onlineshop sie zeigen. Das wird als Erstes geprüft.

6. Preis und Kanal

Rechne die echten Kosten jeder Kerze aus (Material, Ausschuss und deine Zeit) und wende die übliche Regel an: Kosten × 2 für den Händlerpreis und × 2 bis 2,5 für den Endpreis. Diese Zahl zeigt dir, welche Kanäle sich lohnen.

Wo Kerzen verkaufen? Fünf Kanäle im Vergleich

Vergleich von fünf Verkaufskanälen für Kerzen: Märkte und Messen, eigener Onlineshop, Läden und Concept Stores, Hochzeiten und Events, Gastronomie und Firmen, bewertet nach Marge, Menge, Startkosten und Zeitaufwand
Richtwerte: Es hängt von Region, Marke und deiner Zeit ab.
KanalDu berechnestVorteileNachteile
Märkte und MessenEndpreisVolle Marge, sofort bezahlt, Kunden riechen die KerzeWochenenden, Wetter, Standmiete, Transport
Eigener OnlineshopEndpreisVerkauf im ganzen Land, Marke in eigener HandFotos, Werbung, Glasversand, Kundenservice
Läden und Concept StoresHändlerpreisBestellungen von 12–48 Stück, ohne selbst zu verkaufenGeringere Marge, Zahlungsziele, manchmal Kommission
Hochzeiten und EventsAngebotGroße EinzelaufträgePersonalisierung, feste Termine, Saison
Gastronomie und FirmenStaffelpreisWiederkehrende BestellungenKnappe Preise, verlangt Verlässlichkeit

Kurztipps pro Kanal

  • Markt: offene Tester, sichtbare Preise und Kartenterminal. Ein Display auf zwei Ebenen verkauft mehr als ein flacher Tisch.
  • Online: Glas gut polstern und Pakete kennzeichnen, etwa mit „Zerbrechlich“-Aufklebern. Versandkosten vor dem Endpreis kalkulieren.
  • Läden: Händlerpreisliste mit Mindestbestellung, Produktblatt und Fotos. Klar sagen, ob du fest verkaufst oder in Kommission.
  • Events: zwei oder drei feste Größen und eine realistische Lieferzeit. Bei Auftragsbestätigung eine Anzahlung nehmen.
  • Gastronomie: Nachfüllkerzen mit pflanzlichem Perlwachs passen gut in Restaurants und Hotels, weil sie ohne Schmelzen nachgefüllt werden.
Großeinkauf: wann der Sprung sinnvoll ist

Starte für deine Tests mit 1 kg jedes infrage kommenden Materials. Steht die Rezeptur, geh auf den Sack: Sojawachs BPF sinkt von 6,50 €/kg (1 kg) auf 4,50 €/kg bei 20 kg (Preise Stand Oktober 2026). Ab etwa 500 kg oder bei regelmäßigen Lieferungen plant unser Vertrieb Preis und Liefertermine mit dir: contacto@naturcera.com.

Häufige Fragen

Sind Duftkerzen Kosmetik?

Nein, Deko- und Duftkerzen sind keine Kosmetik. Massagekerzen, die auf die Haut kommen, sind Kosmetik und fallen unter das Kosmetikrecht.

Kann ich Kerzen ohne Gewerbe verkaufen?

Das hängt davon ab, ob du regelmäßig verkaufst, und von deiner Situation. In der Regel ist regelmäßiger Verkauf eine gewerbliche Tätigkeit, die angemeldet werden muss. Lass dich vor dem Start beraten.

Ist eine Haftpflichtversicherung Pflicht?

Nicht immer gesetzlich, aber für ein Produkt mit offener Flamme dringend zu empfehlen, und viele Märkte, Messen und Läden verlangen sie.

Was muss auf das Etikett einer Kerze?

Herstellerangaben (Name, Post- und E-Mail-Adresse), Produktkennung, Sicherheitshinweise auf Deutsch und, je nach Duftöl, die CLP-Elemente aus dem Sicherheitsdatenblatt.

Mit wie vielen Düften soll ich starten?

Mit drei bis fünf Düften in ein oder zwei Größen. Jede Kombination braucht Brenntests und ein eigenes Etikett, ein kleines Sortiment ist also günstiger und sicherer.

Materialien für dieses Projekt

Für diese Anleitung eignen sich Kerzenwachse, die zum geplanten Einsatz passen. Prüfe die vollständige Rezeptur zunächst in einem kleinen Test, bevor du größere Mengen herstellst.

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